Düsseldorf/Heppenheim, 15. Juni 2010 - Den Kopf in den Sand zu stecken, wenn Gegenwind aufzieht, hat wenig Tradition bei deutschen Familienunternehmen. Im Gegenteil: Familienunternehmen bewältigen die Wirtschaftskrise besser als börsennotierte Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Familienunternehmen 2010/2011" des Heppenheimer Beratungshauses Auxilion http://www.auxilion.de. 87 Prozent der befragten Führungskräfte aus deutschen Familienunternehmen sind demnach überzeugt, dass Familienunternehmen resistenter gegenüber Wirtschaftsabschwüngen sind.
Dazu gehören für 93 Prozent die langfristige Orientierung der Familienunternehmen. Da sie meist nicht an der Börse gehandelt werden, handeln Familienunternehmen nicht nach dem Shareholder-Value-Ansatz. Im Gegensatz zu börsennotierten Unternehmen müssen sie somit nicht den Unternehmenswert nach oben treiben oder kurzfristige Anlegeransprüche bedienen. Vielmehr stehe die Sicherung des Unternehmens für die nächste Generation im Mittelpunkt - das verleiht Familienunternehmen Stabilität, besonders in wirtschaftlich widrigen Zeiten. 84 Prozent der Befragten betonen zudem die ausgeprägte Unternehmenskultur, die Familienunternehmen in der Wirtschaftskrise stark macht. Dazu gehört auch die starke Verbundenheit der Beschäftigten mit ihrem Arbeitgeber: 73 Prozent der Befragten sagen, dass die Mitarbeiter in Familienunternehmen eher bereit sind, sich mit eigenen Opfern an der Bewältigung der Krise zu beteiligen als in börsennotierten Unternehmen.
Ähnliche Ansichten vertritt die Autorin Inga Michler, die für das in Düsseldorf erscheinende Wirtschaftsblatt http://www.wirtschaftsblatt.de die Rolle deutscher Familieunternehmen untersucht hat. Ihre Analyse: „Im Wettbewerb der Systeme – Familien versus Börse – haben deutsche Familienunternehmen nicht nur ihren Platz behauptet. Sie haben einen Wertewandel angestoßen und sind dabei, ein neues Wertesystem für die gesamte Wirtschaft zu prägen.“ Das mache sich unter anderem dadurch bemerkbar, dass inhabergeführte Familienbetriebe es sich nicht mehr leisten könnten, „ihre Mitarbeiter vor allem als Kostenfaktoren zu betrachten. Sie werden zwangsläufig loyaler, nicht nur zu ihren Beschäftigten, sondern auch zu ihren Standorten.“ Zudem punkten die Familienunternehmen nach Ansicht der Wirtschaftsblatt-Autorin durch „relativ kurze Entscheidungswege und durchlässige Strukturen. Das macht sie wendiger im Wettbewerb und offen für Innovationen.“ Diese Flexibilität ist es möglicherweise, die Branchenexperten zufolge die inhabergeführten Unternehmen zu attraktiven Arbeitgebern machen. So haben Familienunternehmen nach Ansicht Udo Nadolski, Geschäftsführer des auf Technical Recruitment und Outsourcing Services spezialisierten Beratungshauses Harvey Nash www.harveynash.de in Düsseldorf, gute Karten beim Recruiting: „Gut ausgebildete Young Professionals haben in mittelständischen Familienbetrieben viel eher die Möglichkeit, Karriere zu machen, selbst Entscheidungen zu treffen und eigenverantwortlich zu handeln als im multinationalen Konzern.“ Wenn kapitalmarktorientierten Firmen angesichts ungewisser Wirtschaftsentwicklung die Handbremse anziehen in Sachen Neueinstellungen, so Nadolski, „steigen die Chancen für Nachwuchskräfte bei Familienbetrieben.“
Allerdings, so bemängelt die Stiftung
Familienunternehmen http://www.familieunternehmen.de,
verdienten die Erfolgsgaranten der deutschen Wirtschaft
bessere Bedingungen am Standort. Im Länderindex
Familienunternehmen, der seit 2006 im
Abstand von zwei Jahren die Standortbedingungen von 18
OECD-Ländern vergleicht, findet sich Deutschland nur auf
Platz elf. Untersucht werden die Faktoren Steuern,
Arbeitskosten, Produktivität und Humankapital,
Regulierung, Finanzierung sowie öffentliche
Infrastruktur. Außerdem wurde ein Krisenindex
berücksichtigt, der Auskunft über die
Krisenanfälligkeit und Krisenverarbeitungsfähigkeit der
Ökonomien gibt. „Der Befund des vorliegenden
Länderindex ist zweigeteilt“, erläutert Dr. Friedrich
Heinemann, Projektleiter des Zentrums für Europäische
Wirtschaftsforschung (ZEW) http://www.zew.de, das den
Länderindex
erstellt: „Im Gesamtindex, der die langfristigen
Standortfaktoren abbildet, hat sich
Deutschland mit seinem relativ schlechten elften Platz im
unteren Mittelfeld des Gesamtrankings im Vergleich zum
Jahr 2008 - 12. Platz - wenig bewegt. Im Krisenindex
hingegen schneidet Deutschland gut ab, hier belegt
Deutschland einen guten fünften Platz.“



