Heidelberg/Düsseldorf, 7. Januar 2010 – Auch wenn
sich viele deutsche Unternehmen mittlerweile vom
Jugendwahn verabschiedet haben und die Erfahrung und
Leistungsfähigkeit älterer Mitarbeiter zu schätzen
gelernt haben, hat vor allem in den Führungsetagen in den
letzten Jahren ein Generationenwechsel stattgefunden.
Dabei sind die Vorstellungen der unterschiedlichen
Management-Generationen mit Blick auf Werte und Moral gar
nicht so verschieden, wie man glauben könnte. Was sich
jedoch signifikant verändert hat, ist das
Führungsverständnis. „Die Älteren sind in der
Führung eher auf sich gestellt und beschäftigen sich
weniger mit dem Teamgedanken. Der Begriff der
‚Führungspersönlichkeit’ ist für sie sehr
wichtig“, erläuterte der Heidelberger Professor Markus
Pohlmann im Interview mit der Süddeutschen Zeitung (SZ)
http://www.sueddeutsche.de. „Die jüngeren
Spitzenmanager verstehen sich dagegen als Teamplayer, als
Teil einer Organisation“, so der Experte für
Management-Soziologie, der mit Kollegen der Universität
Erlangen http://www.uni-erlangen.de 90 Vorstände großer
Unternehmen befragt hat. Die junge Generation von
Unternehmensführern setze dabei mehr auf Delegation und
indirekten Führungsstil, „sie geben Ziele vor und
überlassen es den Mitarbeitern, wie sie diese
erreichen“, sagte Pohlmann der Tageszeitung.
Begriffe wie Anstand, Stil oder Moral hätten zudem bei
den Senior-Managern einen anderen Klang und mithin eine
tiefere Bedeutung. Zudem, so Pohlmann, „vertreten die
älteren die Einstellung, dass Wirtschaften per se schon
moralisch sei, weil dadurch Fortschritt, Freiheit und
bessere Lebensbedingungen für alle möglich werden. Diese
Generation hat wirtschaftlichen Fortschritt stets als
gesellschaftlichen Fortschritt erlebt. Das sehen die
Jüngeren nicht so.“ Außerdem relativierten sie eher,
beispielsweise in Bezug auf Spitzengehälter, „wenn
damit wirklich eine außergewöhnliche Leistung honoriert
wird.“ Dieses Prinzip vertreten sie laut Pohlmann auch
gegenüber den Mitarbeitern.
„Natürlich haben sich Führungs- und
Entscheidungsstrukturen in modernen Unternehmen
verändert“, bestätigt der Düsseldorfer
Personalexperte Udo Nadolski. Er ist Geschäftsführer des
auf Technical Recruitment und Outsourcing Services
spezialisierten Beratungshauses Harvey Nash
http://www.harveynash.de. „Neue Besen kehren aber nicht
automatisch gut. Es gehört auch ein Wandel innerhalb der
Unternehmen dazu. Ein Generationswechsel in der
Vorstandsetage muss daher Hand in Hand gehen mit einer
Veränderung der unternehmensinternen
Entscheidungsprozesse“, so seine Überzeugung. Zudem
bestätigt er ein weiteres Ergebnis der Umfrage: „Wer
sich in einem Unternehmen bewährt, hat meist auch
Chancen, Führungsfunktionen zu übernehmen.“ Laut
Markus Pohlmann haben nämlich mehr als 70 Prozent der
Befragten Top-Manager „schon wenige Jahre nach dem
Berufseinstieg bei demjenigen Unternehmen angefangen, das
sie heute leiten. Kriterien wie Loyalität, Vertrauen und
Bewährung geben bei der Besetzung von Spitzenpositionen
offenbar immer noch den Ausschlag“, so seine
Einschätzung gegenüber der SZ.
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