Frankfurt/Düsseldorf, 8. Dezember 2009 - Was wollte
ich gerade tun? Wieso haben die Dinge kein Ende mehr? Was
geschieht mit meinem Gehirn? Fast jeder kennt die neue
Vergesslichkeit und die fast pathologische Zunahme von
Konzentrationsstörungen. Dahinter steckt sehr viel mehr
als nur Überforderung. Wir wissen mehr als je zuvor und
fürchten doch ständig, das Wichtigste zu verpassen. Der
Mensch ist nicht nur ein Fleisch- und Pflanzenfresser, er
ist auch ein Informationsfresser. Und wer zu wenig
abbekommt, wird abgehängt. Diesem Phänomen geht
FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher in seinem neuen Buch
Payback nach und beschreibt, wie unvorstellbar die Welt
des Jahres 2010 ohne Informationstechnik ist, aber auch
die Bedrohung durch die Flut technischer Möglichkeiten:
„Das Verhältnis meines Gehirns zur Informationsflut ist
das der permanenten würdelosen Herabstufung.“ Er lebe
„ständig mit dem Gefühl, eine Information zu
versäumen oder zu vergessen, und es gibt kein
Risiko-Management, das mir hilft. Und das Schlimmste: Ich
weiß noch nicht einmal, ob das, was ich weiß, wichtig
ist, oder das, was ich vergessen habe, unwichtig.“
Der moderne Mensch liegt an der Kette medialer
Möglichkeiten. „Der soziale Druck zwingt uns zum
E-Mail-Abruf; der Stärkere ist nicht mehr der Tüchtige,
sondern jener, der am schnellsten gut informiert ist. Die
Technik kränkt und verletzt uns. Und unsere Intelligenz
liegt gar im Sterben, weil wir sie nicht mehr nutzen“,
schreibt Roland Mischke für das Hamburger Abendblatt
http://www.abendblatt.de. Ein anderes Phänomen der durch
und durch digitalisierten Welt hat das Handelsblatt
beschrieben. Das Stichwort lautet Overengineering. Das
„liegt vor, wenn ein Produkt eine viel höhere oder
andere Qualität hat, als der Kunde zu zahlen bereit ist.
Das Problem trifft schon seit längerer Zeit vor allem die
traditionell ingenieurgetriebenen deutschen Firmen. Deren
Entwicklungsabteilungen bringen zwar manch technische
Meisterleistung hervor, die aber oft am Markt und an den
Kundenbedürfnissen vorbeigeht“, so das Blatt.
„Während Entwickler neue technische Raffinessen
erfreuen, legen Kunden oft überraschend viel mehr Wert
auf Bedienung, Optik und auch auf die Geräusche“,
heißt es dort weiter.
„Der Konsumentenwunsch
nach Vereinfachung von Produkten und Dienstleistungen
beschäftigt immer stärker die Strategien von Unternehmen
und Wissenschaft, ein Phänomen, das der Zukunftsforscher
Matthias Horx als das Herstellen des richtigen Maßes an
Komplexität bezeichnet: als Rightsizing“, beschreibt
Udo Nadolski, Geschäftsführer des auf Technical
Recruitment und Outsourcing Services spezialisierten
Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de in
Düsseldorf, das Problem. „Gefordert sind heute
Benutzerfreundlichkeit - Usability - und Einfachheit,
verständliche, intuitive Benutzerführung.“ Damit
hätten Unternehmen auch mehr Erfolg im Verkauf, so
Nadolskis Überzeugung. Er verweist auf die Analysen John
Maedas, Grafikdesigner, Medienkünstler und Dozent am
Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT)
http://www.media.mit.edu sowie Gründer des
Simplicity-Consortiums. Dieser beschreibt in seinem Buch
„Simplicity. Die zehn Gesetze der Einfachheit“
Strategien, die das tägliche Leben, aber auch die
Entwicklung neuer, einfacher Produkte vorantreiben
können. „Auf den Märkten wimmelt es von
Einfachheitsversprechen“, schreibt Maeda - für ihn auch
eine Folge eines Technik-Overloads: „Die verbreiteten
Forderungen nach Einfachheit waren ein unvermeidlicher
Trend, nachdem die Technologiebranche es darauf angelegt
hatte, immer wieder die gleichen Dinge in ‚neuer und
verbesserter’ Form zu verkaufen, wobei ‚besser’
oftmals einfach nur ‚mehr’ bedeutet.“ Als Beispiels
für den Erfolg der Einfachheit nennt er den Siegeszug
„des iPod von Apple, eines Geräts, das weniger kann und
mehr kostet als andere digitale Musikabspielgeräte. Ein
weiteres Beispiel ist die scheinbar karge Eingabemaske der
Suchmaschine Google, die so beliebt ist, dass
‚googeln’ zum Synonym für eine Suche im World Wide
Web wurde“, sagt Maeda.
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