Köln/Düsseldorf, 30. August 2010 - Einen
dramatischen Mangel an Ingenieuren analysiert das Institut
der Deutschen Wirtschaft in Köln http://www.iw-koeln.de.
Beinahe ein Drittel der naturwissenschaftlich-technisch
Beschäftigten in deutschen Hochtechnologiefirmen sind
Ingenieure und Wissenschaftler. Gleichwohl könnten es
nach IW-Untersuchungen noch mehr sein, denn viele offene
Stellen sind unbesetzt. Allein im Juli dieses Jahres
fehlten 36.800 Ingenieure. Ein wesentlicher Grund hierfür
ist der zunehmende Nachwuchsmangel. Auf 1.000
erwerbstätige Ingenieure kamen im Jahr 2007 in
Deutschland lediglich 35 Hochschulabschlüsse der
Ingenieurwissenschaften, in Tschechien waren es 214, bei
den französischen Nachbarn 73, in Belgien 111.
Das besondere Problem dieser Entwicklung: Gerade die
Hochtechnologie, zu der Branchen wie der Maschinen- und
Fahrzeugbau sowie die Chemische Industrie zählen, trägt
maßgeblich zum aktuellen Aufschwung bei und ist
Deutschlands Konjunkturmotor. Dies, so das Kölner
Institut, sei zwar auch in anderen europäischen Staaten
der Fall, doch habe die Konkurrenz dort weitaus weniger
mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Somit würde die
Politik hierzulande gut daran tun, die Situation zu
entschärfen, beispielsweise indem in den Schulen
Naturwissenschaften und Technik interessanter gestaltet
würde, aber auch, indem es ausländischen Ingenieuren
leichter gemacht würde, in Deutschland einen Job
anzutreten.
„Vielleicht lenkt diese Entwicklung wieder den Blick darauf, dass das Interesse der Schülerinnen und Schüler an naturwissenschaftlichen Fächern ausbaufähig ist. Oft begegnen gerade die Pädagogen, die junge Menschen für neue Technologien begeistern sollten, den Bio-, Gen- und Informationstechnologien sowie den technisch angelegten Studiengängen und Berufen mit weniger Interesse“, kommentiert der Personalexperte Udo Nadolski, Geschäftsführer des auf Technical Recruitment und Outsourcing Services sowie Strategic Leadership spezialisierten Beratungshauses Harvey Nash http://www.harveynash.de in Düsseldorf. Wenn die gymnasialen Leistungskurse in Mathematik, Physik und Chemie immer dünner besetzt seien, brauche man sich über den Mangel an Ingenieuren nicht zu wundern. Jugendliche Erfinder und Tüftler führten in Deutschland deshalb bisweilen ein Schattendasein, so Nadolski.
Der
Verband der Elektrotechnik, Elektronik und
Informationstechnik (VDE) http://www.vde.de hatte bereits
im Frühjahr auf die dramatische Entwicklung im
Ingenieurswesen hingewiesen.
Knapp 80 Prozent von rund 1.300 befragten Unternehmen der
Branche bestätigten damals, dass die Ingenieurbelegschaft
zunehmend älter wird und zu wenige Nachwuchskräfte
nachrücken. Insbesondere in den Bereichen Planung,
Projektierung, Engineering, Forschung und Entwicklung
sowie Vertrieb und Marketing herrsche Personalmangel. In
der Studie gaben 92 Prozent der Befragten an, dass
Absolventen der Elektro- und Informationstechnik trotz
Wirtschaftskrise gute Berufschancen haben. Um den Bedarf
an Nachwuchs im Bereich der Elektro- und
Informationstechnik zukünftig decken zu können, will
demnach fast jedes zweite befragte Unternehmen auf
Absolventinnen und Absolventen verwandter Fächer
zurückgreifen – insbesondere auf Naturwissenschaftler
und Informatiker.
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