Der Produktionsbetrieb der Vatter GmbH (Schongau), Deutschlands größtem Produzenten von Feinstrumpfhosen, wurde Anfang April 2009 aus dem laufendem Insolvenzverfahren veräußert. Übernehmer ist die NUR DIE Unternehmensgruppe (Rheine), ein Tochterunternehmen der DBApparel, die wiederum zu Sun European Partners, LLP gehört. NUR DIE ist die bisherige Hauptkundin von Vatter. Durch die übertragende Sanierung werden rund 150 Arbeitsplätze in Deutschland und rund 600 Arbeitsplätze bei der slowakischen Tochtergesellschaft gerettet.
Das Insolvenzverfahren war am 01.10.2008 vom
Insolvenzgericht Weilheim eröffnet worden. Vatter hatte
im Juli 2008 Insolvenz anmelden müssen, nachdem beim
österreichischen Tochterkonzern Ergee erhebliche Verluste
aufgetreten waren. Mit Unterstützung des Hauptkunden NUR
DIE wurde der Geschäftsbetrieb im vorläufigen
Insolvenzverfahren weitergeführt. Der Kernbetrieb
umfasste Produktionsstandorte in Schongau und Rheine sowie
eine Fertigungsstätte bei einer slowakischen
Tochtergesellschaft.
Rechtsanwalt Dr. Robert Hänel (Peißenberg), zunächst
vorläufiger Insolvenzverwalter, verständigte sich mit
Geschäftsleitung, Gesellschaftern und Insolvenzgericht
auf eine Eigenverwaltung, da nach aussichtsreichen
Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten eine
Eigensanierung in Aussicht stand. Das Insolvenzgericht
bestellte Hänel zum Sachwalter. Restrukturierungsexperte
Rechtsanwalt Alexander Reus von Anchor Rechtsanwälte
(München) verstärkte nach Insolvenzeröffnung die
Geschäftsführung. Den Betrieb und die weiteren
Verhandlungen mit Interessenten führten sie von da an
gemeinsam mit dem verbliebenen weiteren Geschäftsführer.
Ihr Modell der gemeinsamen Insolvenzabwicklung in
Eigenverwaltung und ihre Zusammenarbeit im Verfahren
bezeichnen Reus und Hänel als ideal.
Die Verhandlungen zur Rettung des Betriebs gestalteten
sich schwieriger und langwieriger als zunächst erhofft:
Die allgemeine Wirtschaftskrise machte sich bei der
Auftragslage bemerkbar und lähmte auch die
Entscheidungsfindung beim Hauptinteressenten, so dass
wegen drohender Fortführungsverluste schon eine
Stilllegung zu befürchten war. Schließlich konnte aber
doch noch rechtzeitig der Durchbruch erzielt werden. Nach
Umsetzung verschiedener Restrukturierungsmaßnahmen
übernahm NUR DIE den Betrieb – auf eigenen Wunsch
allerdings im Wege eines Asset Deals anstelle der
ursprünglich angestrebten Eigensanierung. Die neu
gegründete Übernahmegesellschaft wird künftig als
„Belfein GmbH“ am Markt agieren. Trotzdem soll an der
Eigenverwaltung festgehalten und kurzfristig noch ein
Insolvenzplan vorgelegt werden, der die Restabwicklung und
die Verteilung der Masse regelt. „Die Eigenverwaltung
spart Verfahrensko-sten“, gibt Sachwalter Hänel an,
„was letztlich den Gläubigern zugute kommt.“
Geschäftsführer Reus ergänzt: „In den Insolvenzplan
packen wir einige Vergleiche. Das schafft größtmögliche
Transparenz für die Gläubiger, ermöglicht eine
schnellere Verteilung und eine höhere Quote.“
Die notwendige Schließung des Werks in Rheine mit rund 40
Arbeitnehmern und ein geringfügiger Personalabbau im Werk
Schongau werden durch Einrichtung einer
Transfergesellschaft sozialverträglich abgefedert.
Dr. Robert Hänel ist seit rund 10 Jahren als
Insolvenzverwalter im südbayerischen Raum tätig. Anchor
Rechtsanwälte ist eine überregionale, auf Insolvenzrecht
und Unternehmenssanierung spezialisierte Kanzlei, die 2007
von ehemaligen Wellensiek-Anwälten gegründet wurde.
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