Doch mit monatlich zwei Arbeitsstunden pro Klienten, für wenig mehr als 32 Euro, könne die rechtliche Betreuung eines Menschen nicht bewältigt werden, kritisiert der Diplom-Sozialarbeiter. Die Folge: „Entweder man arbeitet seriös, beutet sich selbst aus und zahlt drauf – oder der Klient wird unzureichend betreut.“
Die Arbeit der von den Gerichten bestellten
Berufsbetreuer/innen ist eine höchst sensible Aufgabe.
Sie kümmern sich um Menschen, die ihr Leben nicht mehr
selbst regeln können. Die Klientel ist groß. Sie reicht
von dementen Alten bis zu drogenabhängigen Jungen, sie
umfasst psychisch labile Menschen ebenso wie allgemein
lebensuntüchtige. Etwa 1,3 Millionen Bürger in
Deutschland sind auf Betreuung angewiesen. Viele werden
von Angehörigen unterstützt. Doch der Anteil, der auf
eine professionelle rechtliche Betreuung angewiesen ist,
nimmt kontinuierlich zu; er dürfte inzwischen bei einer
halben Million Menschen liegen.
Erheblicher Aufwand
Dabei steigen die Anforderungen an die Betreuer/innen.
Behrendt: „Allein der bürokratische Aufwand ist
beträchtlich. Schon wer zwei Dutzend Klienten betreut,
muss faktisch jeden Monat zwei Jahresberichte
schreiben.“ Eine Aufgabe, die dem Erstellen einer
Unternehmensbilanz gleichkommt. „Das ist reine
Verwaltungsarbeit. Und diese Zeit fehlt für die Betreuung
des Klienten.“
Denn die Kernaufgaben sind andere. Die 12 000
Berufsbetreuer/innen, von denen mehr als die Hälfte im
BdB organisiert ist, kümmern sich um die finanziellen
Verhältnisse ihrer Klienten, um rechtliche Fragen, z.B.
gegenüber Behörden oder Vermietern, übernehmen
Verantwortung in der gesundheitlichen Fürsorge und
organisieren den Alltag, indem sie z.B. Pflegedienste
beauftragen und beaufsichtigen. Kurzum: Die
Berufsbetreuer/innen sind die Lebensmanager vieler
Menschen am Rande unserer Gesellschaft.
Damit diese Menschen nicht in Vergessenheit geraten,
erheben die Berufsbetreuer/innen jetzt ihre Stimme. Ihnen
geht es dabei nur vordergründig um die eigenen
Interessen. Behrendt: „Wenn wir mehr Geld für unsere
Tätigkeiten fordern, dann tun wir dies auch, um mehr Zeit
für unsere Klienten zu haben und sie besser betreuen zu
können. Darauf haben diese Menschen ein Recht!“
Fehlende Lobby
Doch die Chance, gehört zu werden, ist gering. Denn so
wenig wie die sozial benachteiligten Menschen eine Lobby
in der Gesellschaft haben, so selten finden auch die
Berufsbetreuer/innen Aufmerksamkeit für ihre Arbeit.
Berichte in den Medien sind rar, das Interesse der Politik
ist die Ausnahme – wohl auch, weil sich die Problematik
nur schwer vermitteln lässt.
Darum geht der BdB jetzt auf die Straße. Mit der Kampagne
„Sozial & Fair“ (SoFa) tourt der Verband zwischen dem
26. August und 10. September durch deutsche Städte. Auf
zentralen Plätzen wird ein rotes Sofa aufgestellt. Dort
werden Politiker, Sozial-Experten und Betroffene Platz
nehmen, um öffentlich über die Situation von Klienten
und Betreuern zu diskutieren.
Dabei verfolgen Thomas Behrendt und seine Kollegen vor
allem ein Ziel: Sie wollen mehr Zeit für ihre Arbeit
haben, um sich jedem Klienten angemessen widmen zu können
– und zwar jeweils so lange, wie es die individuelle
Situation erfordert. Dafür müssen entweder die
Stundensätze erhöht oder der tatsächliche Zeitaufwand
vergütet werden. Sonst bleibt am Ende das Leben
hunderttausender Menschen auf der Strecke, wenn sich immer
weniger Berufsbetreuer/innen ihre Arbeit leisten
können.
Über den BdB
Der Bundesverband der Berufsbetreuer/innen e.V. (BdB)
zählt mehr als 6.000 Mitglieder und wurde 1994 im Zuge
des neuen Betreuungsrechts gegründet. Damit ist der BdB
die größte Interessenvertretung des Berufsstandes
\"Betreuung\". Der Verband vertritt berufsständische
Interessen bei Politik und in der Öffentlichkeit,
entwickelt den Beruf fachlich weiter, setzt sich für die
Qualitätsentwicklung und -sicherung in der
Betreuungsarbeit ein und bietet umfangreiche Service- und
Dienstleistungen.
BdB – Bundesverband der Berufsbetreuer/innen
Landesverbände Berlin & Brandenburg
Thomas Behrendt
Böckhstraße 41
10967 Berlin
Tel. (030) 69 51 92 81
begin_of_the_skype_highlighting             Â
(030) 69 51 92
81Â Â Â Â Â Â end_of_the_skype_highlighting
Mathias Kinzel
Dorfstraße 15
14715 Havelaue
Tel. (033872) 70 10 9
Pressekontakt
Bernd Schwintowski
Tel. (030) 306 60 60
Fax (030) 306 60 90
E-Mail info@medien-dienst.com



