Balingen, 24. August - „Darf es etwas mehr sein?“. Diese Frage hat wohl jeder Konsument schon tausendfach beim Metzger oder an der Fleischtheke eines Supermarkts gehört. Weitere Assoziationen zum Ritual des Abwiegens sind selten gespeichert. Dabei haben moderne Waagen mittlerweile viele Funktionen: „Die Waagen, die wir für die Supermärkte, Bäckereien, Metzgereien oder Feinkostläden bauen, sind sehr verschieden. Es gibt zum Beispiel die Selbstbedienungswaagen, wie man sie von Supermärkten her kennt oder die so genannten Checkoutwaagen an der Kasse oder aber die Bedienwaagen, die an der Theke zum Einsatz kommen. Für diese verschiedenen Anwendungsfälle gibt es mittlerweile vielfältig Funktionen. Unsere Topmodelle haben ungefähr 700 Funktionen und nur eine davon ist das Wiegen. Viele der übrigen Funktionen befassen sich vor allem mit der Integration von Warenwirtschafts-, ERP- oder SAP-Systemen – bis hin zur Koppelung an die Preisfindung. Gibt es beispielsweise eine Verkaufsaktion, ‚ab 16:00 Uhr sind Äpfel billiger’, dann propagiert das von Waage zu Waage, denn alle unsere Waagen sind WLAN-Waagen und können miteinander kommunizieren. Ein weiteres Beispiel ist die mustererkennende Waage. Wenn Sie auf eine solche Selbstbedienungswaage einen Apfel legen, dann erkennt die Waage: Aha, das ist der Jonathan-Apfel. Der kostet 1,70 Euro pro Kilogramm. Es steckt also wirklich sehr viel Computertechnologie in solch einer Waage“, erläutert Andreas Rebetzky, CIO des Balinger Technologiespezialisten Bizerba http://www.bizerba.de, im Gespräch mit NeueNachricht.
Vor allen Dingen die Interaktion mit
dem Kunden soll weiter vorangetrieben werden. „Im
Supermarkt möchte man den Kunden animieren, neben dem
Parmaschinken auch gleich noch eine Melone zu kaufen, weil
die hervorragend dazu passt. Das ist eine Anforderung
unserer Geschäftkunden und nennt sich neudeutsch Cross
Selling - der Verkauf von sich ergänzenden Produkten oder
Dienstleistungen. Und so haben wir eine Software
entwickelt, die das ermöglicht. Das heißt, der Kunde
geht an die Waage oder an den Verkaufsstand und möchte
Parmaschinken. Die Verkäuferin oder der Verkäufer tippt
ein: ‚Parmaschinken’. Und während der Schinken
geholt, ausgepackt und ein paar Scheiben abgeschnitten
werden, sieht der Kunde bereits: Das aktuelle Angebot des
Supermarktes ist ein passender Rotwein dazu, der im
dritten Regal links steht. Oder er bekommt eine schöne
Honigmelone mit entsprechendem Rezept und Serviervorschlag
präsentiert. Der Kunde kann sich das dann, so lange er
wartet, anschauen und wird sich im einen oder anderen Fall
sicher auch animieren lassen, den Rotwein oder die Melone
zum Parmaschinken zu kaufen“, erläutert Rebetzky.
Darüber hinaus baue sein Unternehmen eine große
Datenbank auf, die wichtige Zusatzinformationen zu
Produkten bietet - von Herkunft über Allergene bis hin zu
Nährstoffen. „Der Parmaschinken kommt aus der Region um
Parma, aus dem kleinen Örtchen XY, hat einen bestimmten
Fett- und Salzgehalt – bis hin zum Nährwert, den
Mineralstoffen, Vitaminen und Allergenen. So kann er sich
ein sehr gutes Bild machen. Dieses Content Management an
der Waage ist ein ganz spannendes Thema, weil damit die
Interaktion zwischen Mensch und Waage verfeinert wird“,
so Rebetzky.
Was in Zukunft vermehrt stattfinden
werde, ist das Profiling. So könne man den Kunden, wenn
er es wünscht, personalisiert beraten. „Hat jemand
beispielsweise eine Milcheiweißallergie und kann keine
Rohmilchkäse verdauen, dann ist für ihn die Information,
dass ein gewählter Käse Milcheiweiß enthält von
großer Bedeutung. Er könnte seine Kundenkarte an die
Waage halten und die auf ihn zugeschnittene Information:
dieser Käse ist für Sie aufgrund des
Milcheiweißgehaltes nicht zu empfehlen. Und je mehr wir
vom Kunden wissen, desto treffendere Tipps können wir ihm
auch geben. Ich will noch ein Beispiel nennen: Viele
Verkaufsentscheidungen sind altersabhängig. Kunden der
jüngeren Generation machen vielleicht öfter mal eine
Party. Und diese Kunden werden dann eher Party-Tipps
bekommen, wie die günstigen Chips oder Tortillas im
Sonderangebot und die dazu passenden eingelegten Oliven,
weil man weiß, in dieser Generation ist eher Fingerfood
angesagt. Der mittleren Generation hingegen, die zwar
meist mehr Geld, aber weniger Zeit zur Verfügung hat,
würde man eher die gehobene toskanische Aufschnittplatte
mit Parmaschinken und Parmasalami empfehlen und noch ein
wenig Ciabatta dazu“, sagt Rebetzky, der die wichtigsten
Technologietrends im Handel beim Fachkongress Voice Days
plus http://www.voicedays.com in Nürnberg vorstellen
wird.
Für die Facebook-Generation wäre das keine große
Hürde. Es werden persönliche Daten auf freiwilliger
Basis preisgegeben, um bessere Informationen zu erhalten.
Die Digital Natives seien im Umgang mit Kundenkarten und
den darauf gespeicherten Daten offener: „Wenn also eine
Kundenkarte für den Einkauf relevante Daten enthält, ist
diese Generation auch bereit, den damit verbundenen
Mehrwert zu nutzen. Warum sollte ich jedes Mal bei der
Verkäuferin nachhaken, ob ein Käse bei meiner Allergie
für mich tauglich ist, wenn ich per Kundenkarte gleich
dafür sorgen kann, dass mir nur die richtigen Produkte
angeboten werden oder mir die Selbstbedienungswaage
mitteilt, welche Produkte tauglich sind“, glaubt der
Bizerba-CIO.
Mit dem Schweizer IBM-Forschungszentrum http://www.zurich.ibm.com in Rüschlikon geht sein Unternehmen mit anderen Partnern auch der Frage nach, wie sich der Einzelhandel auf die Alterspyramide vorbereiten muss. Man müsse auf ältere Menschen anders eingehen als auf jüngere. Alles, was in den Pilotprojekten mit IBM entstehe, soll in zwei bis vier Jahren auch in den Läden sein. „Das ist also keine Science Fiction, sondern da geht es wirklich um kurzfristig erreichbare Ziele“, so der Ausblick von Rebetzky. Ein starkes Wachstum verzeichnet Bizerba nach eigenen Angaben bei den offenen Technologie-Systemen etwa bei der K-class-Modellreihe. Ausgestattet mit Touchscreen und kundenseitigem Display, unterstützt durch intelligente Software werde K-class zur Multiplattform für Content, Verkäuferschulung und Verkaufsplanung. Im Fachgeschäft ebenso wie bei großen Filialisten. Die ergonomische und flexible Benutzeroberfläche ermögliche das Überschreiben von Grundpreis, Tara, Mindesthaltbarkeitsdatum mittels Fingertipp und die Ausrichtung der Screen-Gestaltung an das Corporate Design. Eine Meldung von NeueNachricht. Für den Inhalt ist NeueNachricht verantwortlich.
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